Das Callcenter im Wandel
ZfU lud am 16. Juni 2010 Contactcenter-Entscheider in das Mövenpick Hotel Regensdorf zum 3. Swiss Call Center Summit. Brandaktuelle Themen wie Experience Management, CRM, Multichannel, Leadmanagement und Rechtliches im Contact Center Umfeld wurden von hochkarätigen Experten (im Bild: Prof. Dr. Reinhold Rapp) präsentiert. Das Thema Mehrwert im Kundenkontakt hatte bei allen Referenten höchste Priorität.
Contactcenter-Experte Roger
Meili, CEO ProfileConsulting, führte durch das Programm und hielt einen
spannenden Impulsvortrag über Marktentwicklungen und Herausforderungen der
nächsten Jahre. Veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen, einschränkende
regulatorische Massnahmen und die neue Macht der Konsumenten in der Social
Media Thematik zwingen Contactcenter zum Umdenken. „Die Forderung nach wertorientierter
Kundeninteraktion steigt an", ist Roger Meili überzeugt. Investitionen in
Mitarbeiter sind unabdingbar. „Agenten werden zu Beratern und Personal
Assistants der Kunden", ist der Experte überzeugt. Während einfache Themen in
das Ausland ausgelagert werden, bleiben den heimischen Dienstleistern komplexe
Beratungsthemen auf qualitativ hohem Niveau. „Agenten werden künftig am
Mehrwert für das Unternehmen gemessen", so der Contactcenter Pionier.
Kundendialog 2.0 - Hype oder
...?
Web 2.0 ändert unser
Geschäftsverhalten. „Über 70% der Internetnutzer nutzen auch Social Media wie
Facebook, Twitter oder Xing", berichtet Meili. Welche Rolle spielt das
Contactcenter in diesem Spiel? „Kunden suchen Haltepfeiler und Vertrauen. Das
ist ein positives Merkmal des persönlichen Kontakts. Das Contactcenter hat die
Chance, dieses Vakuum zu schliessen", ist Roger Meili überzeugt.
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Kompromisslose Experience
Diese Vision griff auch Prof.
Dr. Reinhold Rapp in seinem lebhaften Impulsvortrag auf. Am Beispiel Nespresso sehe
man den Wandel vom Agenten zu Conaisseuren der Kaffeekultur, welche ihre Kunden
beraten und im Beratungsgespräch auch verkaufen. „Jeder Kompromiss führt ins Problem", ist Rapp
überzeugt.
Dass Unternehmen in der Lage
sind, Beziehungen zu ihren Kunden zu pflegen, demonstrierte der CRM Experte
anhand anschaulicher Beispiele, vor allem aus dem B2B Bereich. „Werte wie
individueller Service, Lernen und Bildung oder Chaosmanagement bedeuten für
Unternehmen Empfehlungen und mehr Umsatz", ist Rapp überzeugt. Um hier
erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen die Verantwortung für die
Kundenbeziehung bis in die letzte Konsequenz übernehmen. Der Keynotespeaker rät
zu mehr Mut zur Differenzierung, ruft dazu auf von jungen Mitarbeitern zu lernen und empfiehlt den
Weltmarkt im Blick zu behalten, um Trends vorzeitig erkennen zu können.
Interaktionen berühren das
Herz
Gewohnt unterhaltsam
präsentierte auch Pierre-Luc Marilley die Transformation der Swisscom vom
Monopolisten zum kundenfokussierten Unternehmen. „Wo kein Wachstum vorhanden
ist, rückt die Kundenbeziehung umso stärker in den Vordergrund", ist der Head
of Customer Support bei der Swisscom überzeugt. Hierbei spiele die
Vorbildwirkung der Führungskräfte eine entscheidende Rolle. Um Herzen zu
gewinnen, müssen die Dinge einfach und langfristig geplant sein. Der Kunde
erwartet ein durchgängiges Erlebnis mit der Swisscom, unabhängig von der
Kanalwahl. Um diesen Change zu ermöglichen, hat das Team eine Hotline- und
Field Services Servicecharta etabliert, welche die Führungskräfte vorleben.
Co-Creation, Coaching, Leadership
und Empowerment der Teamleiter und Agenten machen den Unterschied. „Unsere Welt
wird immer weniger fassbar, deshalb spielen Vertrauen gegenüber Mitarbeitern
und Kunden eine entscheidende Rolle", ist Marilley überzeugt. Alte Tugenden wie
Vorbildrolle und Vertrauen erleben eine Renaissance.
Erhöhter Mehrwert dank effizienter Multi-Channel Technologie
Der Markt verlangt nach immer mehr Möglichkeiten mit dem Anbieter oder Endkunden in Kontakt zu treten. Dabei sind Begriffe wie SMS, Chat, Collaborative Browsing, Presence Management oder Video Stream nicht nur Schlagwörter, sondern werden mehr und mehr im Markt eingesetzt und verhelfen so zu einer einfacheren Interaktion zwischen Anbieter und Konsument. Die Möglichkeiten werden immer vielfältiger müssen jedoch zentral verwaltet und gemessen werden können. Wie, zeigte Bruno Schmed, Division Manager bei der Telekom & Netzwerk AG, anhand des Beispiels der Migrosbank.
Rechtliches im
Contactcenter-Umfeld
Was aus juristischer Sicht auf die Contactcenter
zukommt, und welche jüngsten Entwicklungen sich im Bundeshaus diesbezüglich
abzeichnen, präsentierte Rechtsanwalt Dr. Robert G. Briner von der Kanzlei CMS
von Erlach Henrici Zürich. Der Rechtsexperte
befasst sich seit 25 Jahren mit Technologierecht und ist ein ausgewiesener
Kenner der Contactcenter-Branche. CMM Leserinnen und Leser begeistert er seit
geraumer Zeit mit seinen gleichermassen unterhaltsamen wie lehrreichen
Rechts-Fachartikeln in der Print-Ausgabe.
Bezüglich des „Schutzes der
Einwohner vor lästigen Telefonanrufen" will der Bundesrat bis Mitte 2010, also
in den nächsten Tagen, berichten. Die Empfehlung der eidgenössischen Kommission
für Konsumentenanfragen lautet, ein Widerrufsrecht für den
Telefonverkauf einzuführen, Rufnummernunterdrückung für Callcenter zu verbieten, Bekanntgabe
der Identität der Verkäufer zu gewährleistensowie sowie eine die Einführung einer Kontaktstelle, unter welcher die
„schwarzen Schafe" gemeldet werden können.
Klar ist: Das Telefon- und
Direktmarketing gerät stark unter Druck und schwarze Schafe belasten die
Branche, auch in der Schweiz.
Welche Änderungen in Bezug
auf das Outboundgeschäft für Krankenversicherer im nächsten Jahr auf uns
zukommen werden, hat Dr. Briner für unsere Leserinnen und Leser in folgendem
Beitrag zusammengefasst: LINK zum Beitrag >>
Das Callcenter als Leadmotor
Michael Bachmann, Leiter
Direktvertrieb und Kooperationen AXA Winterthur, berichtete in seinem
spannenden Vortrag darüber, welchen Weg die Versicherung in der Leadbearbeitung
geht. „Uns geht es darum, den Kunden in seiner Gesamtheit und nicht aufgrund
einzelner Verträge zu beurteilen", erklärt Bachmann. Das entscheidende Thema
ist auch hier das Vertrauen bei der Lead-Generierung und -Qualifizierung. „Es
ist wichtig, mit dem Service- und nicht primär mit dem Sales-Gedanken ins Rennen
zu gehen", erklärt der Vertriebsprofi.
Hierfür wurde eine Multi
Access Infrastruktur geschaffen. Die Leads werden mit einem monetären Wert
versehen, denn „was nichts kostet ist nichts wert".
Mit durchdachtem Cross und
Up-Selling gelang es der AXA Winterthur auf diesem Weg, Kundenpotenziale zu erschliessen
und in einem zweistufigen Vertriebsmodell Leadqualifizierung und Sales
erfolgreich zusammenzuführen.
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